Der Börsencrash vom 24. Oktober 1929 an der Wall Street läutete den Beginn der großen Rezession in den 1930er-Jahren ein. Auch die belgische Kolonie litt unter knappen finanziellen Mitteln für ihre Entwicklung. Um den Kongo mit neuen Einkünften zu versorgen richtete die Regierung am 29. Mai 1934 die Koloniallotterie ein. Die erste Ziehung fand am 18. Oktober 1934 statt. Diese Einkünfte wurden von Beginn an hauptsächlich der Kolonie vorbehalten, aber auch zahlreiche belgische Vereinigungen mit sozialer oder karitativer Ausrichtung konnten mit angemessener Unterstützung rechnen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Aktivitäten der Koloniallotterie eingestellt. Die akute Not der Bedürftigen in Belgien sorgte für einen nahezu geräuschlosen Übergang zur Winterhilfs-Lotterie. Nach dem Krieg wurden die im Krieg vernachlässigten Aktivitäten mit einer ersten Ziehung am 17. Mai 1945 wieder aufgenommen und die Winterhilfs-Lotterie eingestellt.
Es wurden mehr und mehr Stimmen laut, um einen großen Anteil des Nettogewinns dem Lindern von Nöten in Belgien vorzubehalten. Aufgrund der Sturmflut vom 1. Februar 1953 wurde so die Hälfte des Gewinns der Ostersonderziehung von 1953 dem Roten Kreuz zugeteilt.
Ab der Unabhängigkeit des Kongos am 30. Juni 1960 gab es keinen Grund mehr, die Koloniallotterie weiter zu betreiben. Nach einem kurzen Intermezzo als Afrikanische Lotterie wurde Ende 1962 die Nationallotterie geboren. Fortan war sie dem Finanzministerium angegliedert. Die Erträge kamen der Landbevölkerung in Entwicklungsländern und Projekten öffentlichen Nutzens in Belgien zugute. Im Februar 1965 erhielt die Nationallotterie im Rahmen des Finanzministeriums eine eigene Verwaltung, aber noch keine Rechtspersönlichkeit.
Die schweren Überschwemmungen in Ruisbroek vom 2. Januar 1976 und der entstandene Schaden führten zur Verabschiedung eines Gesetzes, das es der Nationallotterie ermöglichte, neue Produkte einzuführen und einen Teil der Gewinne Zwecken öffentlichen Nutzens zuzuführen. Am 4. Februar 1978 wurde die erste Lottoziehung durchgeführt. Der Erfolg war enorm. Die Nationallotterie wuchs zu einem großen Unternehmen heran. 1981 war der Personalbestand in knapp zwanzig Jahren nahezu vervierfacht worden. Ab dann wurden zügig neue Produkte wie Presto (1983) und Subito (1987) auf den Markt gebracht. Ab September 1985 wurde die Erfolgsformel Lotto um den Joker erweitert. Aufgrund schwindender Nachfrage wurde der Verkauf des klassischen Lotterieloses 1994 eingestellt. Nicht nur die Auswahl an Lotteriespielen kannte ein stetiges Wachstum, sondern auch die Anzahl an Begünstigten, die in der Form von Subventionen oder Sponsoring mit Zuschüssen der Nationallotterie rechnen konnten, nahm massiv zu. Zwischen 1979 und 1991 wurde der Begriff „öffentlicher Nutzen“ mit mehreren Königlichen Erlassen u. a. um Leibesübungen, Natur- und Umweltschutz und wissenschaftliche Forschung erweitert. So konnten zahlreiche Vereinigungen mit einem Zuschuss rechnen: Sport, Kultur, Filme, Literatur ...
Mit dem Gesetz vom 22. Juli 1991 erhielt die Nationallotterie unter der Aufsicht des Finanzministers ihre eigene Rechtspersönlichkeit. Von nun an waren innerhalb des gesetzlichen Rahmens andere Formen von Wettbewerben, Wettkämpfen und Glücksspiele zulässig. 1992 wurde das Verkaufsnetz automatisiert. Da die Terminals in den Annahmestellen nunmehr elektronisch mit dem Zentralrechner verbunden waren, konnten die Teilnehmer ihren Spielschein selbst wenige Minuten vor der Ziehung validieren lassen.
Die 1990er-Jahre zeichneten sich durch stetiges Wachstum aus. In schnellem Tempo wurden neue Ziehungs- und Rubbelspiele auf den Markt gebracht: Bingo-Vision, Tele-Kwinto, Trix, Eldorado, Win for Life ... Manche davon waren an ein TV-Programm gebunden. Manche Spiele, wie Win for Life, sind bis heute Erfolgsnummern.
Ab 1999 brach der Umsatz spürbar ein, auch deshalb, weil zahlreiche Annahmestellen ihr Geschäft aufgaben. Im Jahre 1991 wurde auch der Kulturdienst eingerichtet, der mit dem Aufsuchen und Erhalten von Objekten betraut war, die sich mit Glücksspielen befassten, wie sie seit Jahrhunderten bestanden. Heute verfügt die Nationallotterie über eine Sammlung von Zehntausenden verschiedener Objekte, worunter eigene Produkte (Poster, Lose, Werbung …) und verschiedene Kunstgegenstände (Bildhauereien, Gemälde, Wandteppiche ...).
Trotzt des Wachstums blieb die Nationallotterie ein öffentliches Unternehmen mit zu geringer Dynamik. Das Gesetz vom 19. April 2002 bewirkte dann eine radikale Veränderung. Der Übergang zu einer AG öffentlichen Rechts sollte aus der Institution ein dynamisches und modernes Unternehmen machen. Das Anbieten sozial verantwortlicher Spielfreuden stand im Mittelpunkt. Die Beziehungen zwischen der Nationallotterie und den Annahmestellen wurden deutlich gestärkt. Die Bezuschussung verschiedenster Instanzen mit sozialem Hintergrund oder einem öffentlichen Nutzen dienend blieb eine Kernaktivität.
Nach 2002 kamen im Eiltempo neue Ziehungs- und Rubbelspiele auf den Markt, wie Fun for Life, Kopf oder Zahl und Shoot Goal. Ab 2004 war die weitaus wichtigste Entwicklung die Teilnahme an Euro Millions, einem intereuropäischen Joint Venture von Lotterien. Die Aussicht auf enorme Gewinne macht dieses Spiel äußerst populär.
In den vergangenen Jahren stieg das Produktangebot mit neuen Rubbellosen wie Casino Prestige, Passport, Pacman u. a. weiter an. Demgegenüber war das Bewusstsein in Bezug auf die Spielsucht sehr groß. 2006 wurde eine Kampagne für verantwortliches Spielen gestartet, die seitdem regelmäßig wiederholt wird. 2010 wurde auch die Zertifikation „verantwortliches Spiel“ der European Lotteries erhalten.
2007 wurde Ivan Pittevils zum geschäftsführenden Direktor ernannt. Er machte die Modernisierung der Nationallotterie und ihrer Produkte zur Priorität. Seit 2010 werden die klassischen Ziehungsspiele der Nationallotterie über die Webseite www.e-lotto.be auch online angeboten. 2011 wurden bereits viele klassische Ziehungs- und Rubbelspiele wie Joker +, Win for Life und Euro Millions erneuert. Auch das Lottospiel wird im Herbst 2011 einem kompletten Facelift unterzogen.